Worterklärungen

A

Alltagskämpfe sind Kämpfe, mit denen wir in unserem Alltag zu tun haben, da unsere Gesellschaft auf Ungleichheit aufbaut. Wir sind nicht alleine damit, weil andere diese Kämpfe auch führen. Dabei handeln wir in unserem Alltag immer wieder neu aus, wie wir mit ganz realen politischen Problemen umgehen.

Antirassismus meint die Überwindung oder Beseitigung rassistischer Verhältnisse und Einstellungen  und ist eine der Grundlagen einer gleichberechtigten Gesellschaft. (siehe auch Rassismus)

B

Besitz bezieht sich auf die Dinge, die wir direkt benutzen, und ist flexibler als Eigentum. Wenn ich mir ein Fahrrad ausleihe, besitze ich es so lange, bis ich es an den*die Eigentümer*in zurück gebe. Im heutigen Recht bedeutet Eigentum die Verfügungsgewalt über etwas. Wohnungseigentümer*innen entscheiden, ob, wie lange und an wen sie ihre Wohnung vermieten, aber die Mieter*innen besitzen die Wohnung. Der*die Eigentümer*in kann auch gleichzeitig Besitzer*in sein, wenn er*sie in der Wohnung lebt.

C

Cis-Mann oder eine cis-Frau ist eine Person, deren Geschlechtsidentität sich mit der deckt, die bei der Geburt aufgrund von äußeren Merkmalen zugeschrieben wurde, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Das so zu benennen ist nötig, um dem, was wir als scheinbar „normal“ betrachten einen Namen zu geben.

D

Direkte Aktion bedeutet direkt und selbst für die Durchsetzung von Interessen tätig zu werden. Diese Aktionen geschehen unabhängig von staatlichen Interessen und haben das Ziel etwas zu verändern. Zum Beispiel durch General-/Streiks, Besetzungen, Sabotage, Blockaden, zivilen Ungehorsam aber auch durch Selbstorganisation z.B. in den Bereichen Gesundheitsversorgung oder Selbstschutz.

E

Eigentum (siehe Besitz)

Enteignung ist der Entzug von Eigentum. Geschieht das durch den Staat, nennen wir es Verstaatlichung. Wenn das enteignete Eigentum der Gesellschaft zur Verfügung steht und von ihr verwaltet wird, sprechen wir von Vergesellschaftung. Typische Beispiele sind die Enteignung von Produktionsmitteln, Wohnraum oder Grund und Boden.

F

Feminismus: Die Entstehung des Feminismus hängt unmittelbar mit der Frauen*bewegung zusammen, hat sich aber weiterentwickelt und ist sehr divers geworden. Den einen Feminismus gibt es also nicht, aber das Ziel bleibt, dass Machtverhältnisse aufgrund von Geschlechtern abgebaut werden und so Menschen freier und selbstbestimmter Leben können.

Freie Assoziation bedeutet, dass alle frei entschieden können, mit wem und wie sie zusammenarbeiten, ihr Leben gestalten oder sich organisieren. Denn in einer Gesellschaft, die auf freier Assoziation basiert, sind diese Beziehungen frei von Staat, Privateigentum oder Unterdrückung.

G

Gegenseitige Hilfe ist möglicherweise so alt, wie die menschliche Kultur. Gemeint ist der freiwillige Austausch von Ressourcen oder Dienstleistungen, ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten. Wenn wir eine Kultur der gegenseitigen Hilfe entwickeln, brauchen wir keine Angst zu haben, immer nur anderen zu helfen und am Ende allein dazustehen, da wir uns darauf verlassen können, dass uns auch jemand anders unterstützen wird, wenn wir es brauchen.

H

Herrschaft bedeutet als rechtmäßig anerkannte (also institutionalisierte) und dauerhafte Machtausübung durch einen kleinen Kreis von Menschen oder durch Institutionen. Sie gibt den Herrschenden die Möglichkeit, über das Verhalten der Beherrschten zu bestimmen. Oft wird Herrschaft durch vorhandene gesellschaftliche Ungleichheiten wie Patriarchat, Rassismus oder Klasse begünstigt und scheinbar legitimiert, deshalb heißen diese Verhältnisse auch Herrschaftsverhältnisse. (siehe auch Patriarchat, Rassismus)

Herrschaftsfrei heißt, dass alle Formen der Herrschaft überwunden werden, es also keine keine dauerhafte, institutionalisierte Konzentration von Macht in den Händen weniger gibt. Alle Menschen haben, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihres Aussehens etc. die gleichen Möglichkeiten an Entscheidungen teilzuhaben, die sie betreffen. (siehe auch Herrschaft)

I

Imperialismus bezeichnet das Bestreben von Staaten, in anderen Gebieten wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu erlangen, um sie auszubeuten und letzten Endes zu unterwerfen und in den eigenen Machtbereich einzugliedern. Dazu gehört, ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, z.B. einseitige Abhängigkeiten. Im Gegensatz zu →Kolonialismus geht Imperialismus über die wirtschaftliche Ausbeutung eines anderen Gebietes hinaus: es geht auch darum, eine weltweite politische Vormachtstellung zu gewinnen. Auch hierfür sind rassistische Denkweisen meistens die Grundlage.

Individualismus ist die Ansicht, dass der einzelne Mensch (das Individuum) im Mittelpunkt steht. An oberster Stelle steht die sogenannte individuelle Freiheit und das eigene (individuelle) Wohlergehen.

Internationalismus steht im Gegensatz zu Nationalismus und bedeutet, dass wir eine zukünftige Gesellschaft über nationalstaatliche Grenzen hinweg aufbauen und dazu auch heute schon unsere gemeinsamen Interessen und Probleme im Vordergrund stehen sollten. Internationalismus bedeutet also auch, revolutionäre Kämpfe in anderen Regionen der Welt zu unterstützen. (siehe auch Nationalismus)

J

K

Kapital:

Klassenkampf: Anschließend an Marx ist unter Klassenkampf zu verstehen, dass sich die besitzende Klasse (die Bourgeoisie) und die nicht besitzende Klasse (das Proletariat) gegenüberstehen und eine konflikthafte Beziehung führen.

Klassenlose Gesellschaft eine klassenlose Gesellschaft ist das, was am Ende des →Klassenkampfes stehen soll. Also eine Gesellschaft in der alle Menschen gleichwertig und frei sind.

Klimagerechtigkeit dadurch, dass der Klimawandel ein Problem für die Umwelt darstellt, wird er auch zu einem menschlichen Problem. Aktuell sind die Auswirkungen des Klimawandels dort stärker, wo Menschen und Land stark ausgebeutet werden. Klimagerechtigkeit meint die gemeinsame Verantwortung, die wir alle für diese Folgen und den Klimaschutz haben.

Kolonialismus: Als Kolonialismus wird die Besetzung und Ausbeutung eines Landes durch ein anderes bezeichnet. Die Grundlage hierfür war und ist der rassistische Gedanke, das Menschen ungleichwertig seien. Die Folgen von Kolonialismus wirken weit in Gesellschaften und die Weise, wie Menschen die Welt wahrnehmen, hinein.

L

Lohnarbeit ist die Arbeit, der wir nachgehen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, also alle Arbeit für die wir Geld bekommen. Die Abgrenzung ist wichtig, da es auch Arbeit gibt, die nicht bezahlt wird, z.b. Hausarbeit, Kinder großziehen, einander zuhören, wenn es uns schlecht geht.

M

Macht bedeutet, dass Kräfteverhältnisse aus verschiedenen Gründen unterschiedlich sind und ist somit ein Ergebnis zwischenmenschlicher Beziehungen. Diejenigen, die über mehr Ressourcen verfügen haben mehr Macht und die, die über weniger Ressourcen verfügen haben weniger Macht. Es kommt zu starren Machtkonzentrationen, einseitigen Abhängigkeiten, die nicht einfach verändert werden können. Diese unterschiedlichen Verhältnisse und Möglichkeiten verweisen auf Status und Position innerhalb der Gesellschaft. Macht zeigt sich im Kleinen z.B. darin, wie viel einer Person zugehört oder zugetraut wird, ob ihr Wissen oder ihre Arbeit anerkannt wird.

N

Nationalismus ist die Verherrlichung der eigenen Nation und die Abwertung von anderen. Oft gehört dazu die Vorstellung einer Vormachtstellung der eigenen Nation. Nationalismus funktioniert immer darüber, dass bestimmte Gruppen von Menschen dazu gehören, während die „Anderen“ ausgegrenzt werden.

Nationalstaat: Die Idee des Nationalstaates ist in der europäischen Neuzeit entstanden. Diesem Staatsmodell liegt die Vorstellung der Existenz von „Völkern“ zugrunde, die in sich gleich (z.B. Sprache, Lebensweisen, Herkunft) und von anderen zu unterscheiden seien. Jedem „Volk“ stehe ein bestimmtes geografisches Gebiet zu, das sich von anderen abgrenzt. Daher stützt sich der Nationalstaat auf rassistische Unterdrückung, Konkurrenz und Ausbeutung. Menschen, die dieser konstruierten Identität nicht entsprechen, werden auf unterschiedliche Art an den Rand der Gesellschaft gedrängt, zur Anpassung gezwungen oder mit Gewalt verfolgt. Es ist kein Zufall, dass die Idee vom Nationalstaat zusammen mit dem Kapitalismus entstanden ist. Durch die Abgrenzung nach Außen stabilisiert und legitimiert sich der Nationalstaat im Inneren. Innere Ungleichheit und Ausbeutung werden verdeckt oder als notwendig dargestellt, um sich gegen andere Nationalstaaten zu behaupten.

O

P

Patriarchat bezeichnet die Vorherrschaft von →cis-Männern und die daraus folgende Unterdrückung von Frauen* und →queeren Menschen. Diese sind historisch gewachsen und zeigen sich in allen Lebens- und Gesellschaftsbereichen. Die Trennung von Lohn- und Reproduktionsarbeit, die Vorstellungen von Geschlecht und Geschlechterrollen sowie die ungleiche Verteilung von →Ressourcen basieren auf patriarchalen Denk- und Verhaltensmustern. (siehe auch Reproduktionsarbeit)

Produktionsmittel sind Arbeits- und Betriebsmittel sowie Rohstoffe, die zur Produktion notwendig sind, wie Nutzflächen, Gebäude, Werkstoffe, technische Anlagen, Maschinen oder Werkzeuge.

Q

Queere Menschen: ‚queer‘ war lange Zeit eine Beschimpfung für Menschen, die sich nicht in einer Welt von zwei Geschlechtern, die nur einander begehren, wieder finden konnten. Diese Menschen haben sich den Begriff zurückgeholt und heute ist es eine Selbstbezeichnung für alle, die sich abseits der geschlechtlichen und sexuellen Normen wiederfinden.

R

Rassismus ist tief in der Gesellschaft verankert und zeigt sich sowohl in alltäglichen Situationen, der Werbung, Hetze im Netz bis hin zu Gewalttaten. Menschen werden wegen ihres Aussehens oder ihrer (angenommenen) Zugehörigkeit zu einer Nationalität oder Religion als „Anders“ konstruiert. Daraufhin werden ihnen verallgemeinernde, oft herabsetzende Eigenschaften zugeschrieben. Rassismus zeigt sich überall: In Strukturen, Institutionen und im Alltag. Er ist einer der Grundsteine von weltweiter Ungerechtigkeit und Gewalt, ausgehend von einer weißen Vorherrschaft.

Repräsentation bedeutet mehr oder weniger „Vertretung“ und ist ein politisches Instrument, nach dem eine große Gruppen von Menschen oder die Gesellschaft nicht direkt an Entscheidungen teilhat, da sie diese den (von einem Teil von ihnen gewählten) Repräsentant*innen überlässt. In der repräsentativen Demokratie handeln die Repräsentant*innen meistens mit einem freien Mandat, d.h. sie treffen die Entscheidungen nach ihrem eigenen Gewissen und sind ihren Wähler*innen nur sehr begrenzt zur Rechenschaft verpflichtet.

Reproduktionsarbeit ist die Arbeit, die die Gesellschaft am Laufen hält. Dazu gehören die Arbeit im Haushalt, das Austragen und Großziehen von Kindern, die Pflege anderer Menschen oder emotionale Arbeit (wie Konfliktlösung). In der heutigen Gesellschaft wird der größte Teil dieser Arbeit nicht entlohnt und von Frauen* und queeren Menschen verrichtet. Dabei übernimmt sie die Funktion, die menschliche Arbeitskraft (für die Produktionsarbeit) zu erhalten.

Ressource kann zum einen ein vorhandener Bestand von etwas sein, dass zu einem bestimmten Zweck gebraucht wird (z.B. Holz zum Bauen). Und zum Anderen kann Ressource eine menschliche Eigenschaft sein die wir brauchen, um ein Ziel zu erreichen, z.B. Geduld und Konzentration, wenn wir etwas zum ersten Mal machen oder Zeit und Beziehungen zu Anderen.

S

Selbstorganisation bedeutet sich als Gruppe oder Zusammenschluss von einigen oder vielen unabhängig zu organisieren. Das geht im Kleinen wie im Großen, zum Beispiel: wenn sich eine Gruppe zum Picknick trifft und jede Person, die kann etwas beiträgt (einen Ort suchen, Essen organisieren, Decken mitbringen…) ist das Selbstorganisation.

Solidarität bedeutet zunächst einander zu unterstützen und einander zu helfen, auch wenn wir uns nicht kennen, achten wir die Bedürfnisse der Anderen und stehen für sie ein, wenn sie Ungerechtigkeit erfahren. Es geht darum gemeinschaftlich Lösungen für Probleme zu finden und Ungerechtigkeit aufzuzeigen.

Staat ist eine hierarchische und zentralisierte Form der Verwaltung, in der die Strukturen so aufgebaut sind, dass es eine Befehlskette von Oben nach Unten gibt. Oben werden die Entscheidungen getroffen und nach unten geschickt, wo sie (von Institutionen) ausgeführt werden sollen. Der Staat bestimmt die sozialen Beziehung zwischen den unterschiedlichen Institutionen und der Regierung an der Spitze und zwischen diesen Institutionen und der Gesellschaft.

T

U

Utopie ist ein Entwurf bzw. eine Vorstellung, wie eine zukünftige, bessere Gesellschaft aussehen könnte.

V

W

X

Y

Z